Abenteuer Rennen

Schlittenhunderennen

Wie wir zum Schlittenhunderennen kamen

Als Heike im Winter 2002/2003 begann, in einem Huskycamp in Schweden zu arbeiten, dachten wir nicht einmal im Traum daran, einmal bei einem großen Hundeschlittenrennen starten zu dürfen. Dann lernten wir in Schweden Katy Meier und Jörg Bungard kennen, die damals dabei waren, sich im skandinavischen Schlittenhundesport zu etablieren.

Glücklicherweise hatte Heikes damaliger Arbeitgeber einen erhöhten Personalbedarf im Sommer, so konnte sie die Stunden für die 75-Prozent-Stelle im Sommer abarbeiten und den Winter bei Katy und Jörg mit dem Training der Rennhunde verbringen. Es dauerte nicht lange, bis auch Michi vom Schlittenhundevirus infiziert war und jeden freien Urlaubstag auf dem Hundeschlitten verbrachte.
Erste Läufe: der Femundlopet 400 km und Finnmarkslopet 500 km

Die Freude und Aufregung war groß, als Heike im Februar 2006 beim Femundlopet in Norwegen mit dem Junghundeteam von Katy und Jörg starten durfte. Die Distanz beträgt 400 km in der 8-Hundeklasse. Heike schaffte es trotz schlechter Wetterbedingungen und des unerfahrenen Teams das Rennen gut zu beenden.

Michi konnte 2007 ebenfalls mit dem Junghundeteam am legendären Finnmarkslopet 500 teilnehmen und erreichte das Ziel auf Anhieb mit einer guten Plazierung. Ab 2009 sind wir mit eigenen Hunden gestartet und konnten kaum glauben, dass Michi bei seinem ersten Femundlopet gleich den 4. Platz erreicht hat (von ca. 80 Teilnehmern). Es folgten noch viele sehr gute (z.B. Michis 3. Platz beim Amundsenrace 2011 – schwedischer Vizemeister und Heikes 9. Platz beim Finnmarkslopet 500 im Jahr 2010), gute und auch mal mittelmäßige Platzierungen.

Das bisher größte Abenteuer:
1000 km durch die Finnmark mit 14 Hunden

Lange träumten wir davon am längsten Schlittenhunderennen Europas, dem 1000 km langen Finnmarkslopet in Alta, Norwegen teilzunehmen. Allerdings gibt es viele Herausforderungen zu bewältigen, bevor man es überhaupt an die Startlinie schafft. Zum Beispiel muss man um mit 14 Hunden an den Start zu gehen, mindestens 18 Hunde im Training haben, dann sind viele tausend Kilometer an Training im Herbst und im Winter zu bewältigen. Die gesamte Ausrüstung, wie Schlitten, Hundemäntel und Hundesocken kostet viel Geld. Sponsoren müssen gefunden werden, Helfer fürs Rennen und den Hof zu Hause organisiert werden.

2016 hatten wir das alles gut bewältigt und am 5.März stand Heike mit ihren 14 Hunden mit klopfendem Herzen am Start. Die ersten Kilometer waren überwältigend, vorbei an tausenden von Zuschauern durch die Fußgängerzone von Alta, dann die Abfahrt hinunter zum Fluss und später der Anstieg hinauf ins Fjäll, in die unendliche weiße Weite der ‚Finnmarksvidda‘ – die baumlose Hochebene. Bald war die Aufregung um den Start verklungen und die Hunde verfielen in ihren Ausdauerschritt. Schnell trabend legten sie Kilometer über Kilometer zurück, unterbrochen von regelmäßigen Pausen zum Kontrollieren der Pfoten und Füttern von kleineren Snacks. Denn bei langen Rennen kommen nur diejenigen gut ins Ziel, die sich aufopfernd um die Hunde kümmern. Bei einem Verbrauch von über 10 000 Kilokalorien pro Hund und Tag, muss jede Gelegenheit genutzt werden, den Hunden Futter anzubieten. Die Rationen sind genau berechnet nach Kalorien- und Fettgehalt. Hier gilt: je mehr desto besser.

Nach durchschnittlich sechs bis acht Stunden Laufzeit wird ein Checkpoint erreicht, in dem eine längere Pause von ca. sechs Stunden eingelegt wird. Dort stehen Stroh als Liegeunterlage für die Hunde, Wasser und ein Futterdepot zur Verfügung und ganz wichtig: Michi wartete dort mit unsrem Freund Flori auf Heike. Die beiden durften zwar nicht bei der Hundeversorgung helfen, aber seelischen Beistand leisten.

Die Rennveranstalter legen sehr hohen Wert auf Tierschutz und jeder Hund wird regelmäßig untersucht ob er noch fit genug ist, um das Rennen fortzusetzen. Auch Heike musste bis zur Hälfte des Rennens vier größere Rüden aus dem Rennen nehmen und Michi übergeben. Die großen Jungs konnten ihre Kräfte nicht so gut einteilen wie die kleineren Mädel.

Dafür meisterten die Leithündinnen Sukka, Pogo, Nena und Punki, sowie die Teamdogs Campino, Nico, Inga, Helene und Mando die Strecke mühelos, der junge Tunis blieb bis zum letzten Checkpoint im Team. Nachdem die Hunde ins Rennen gefunden und sich an den Lauf-Schlaf-Rhythmus gewöhnt hatten, wurden sie sogar immer flinker auf der Strecke. Man merkte ihnen richtig an, dass sie Spaß an dem Abenteuer hatten! Auch die Tierärzte waren sehr zufrieden mit unserem Team. Nur die Musherin selber wurde von Etappe zu Etappe müder. Die Kondition war vorhanden, aber der Schlaf fehlte. Oft fuhr Heike die ganze Nacht durch und kam erst im Morgengrauen im Checkpoint an. Das Versorgen der Hunde dauerte mit zunehmender Müdigkeit immer länger und Michi und Flori müssten Heike wachrütteln nach viel zu kurzen 1,5 Stunden Schlaf. In einer nebelgrauen Nacht konnte Heike nicht erkennen in welcher Landschaft sie sich befand. Sie fiel immer wieder in einen Sekunden (oder Minuten?) Schlaf, sie hatte Halluzinationen und sah Autobahnviadukte und Parkhäuser. Aber die Hunde folgten strikt der Strecke, rochen die Teams vor ihnen und nichts konnte sie von der richtigen Strecke abbringen.

Nach 7,5 Tagen und über 95 Stunden Laufzeit überquerte Heike überglücklich mit 9 Hunden die Ziellinie in Alta.

Zum Rennen gibt es hier einen kleinen Film!

2017-2019

2017 nahm Michi erfolgreich beim 650 km langen Bergebylopet teil, dem nördlichsten Schlittenhunderennen der Welt. 2018 stand Heike nochmals am Start vom großen Finnmarkslauf, musste aber nach 450 km wegen einem grippalen Infekt das Rennen beenden. 2019 kam Michi beim Finnmarklopet 500 mit 8 Hunden auf einen guten 26. Platz von 68 gestarteten Teams.

Die Zukunft

Wie auch bisher haben wir vor jedes Jahr an einem großen Langdistanzrennen teilzunehmen. Da aber 2018 die Distanzen beim Finnmarkslopet erhöht wurden und aus den 1000 km jetzt 1200 km geworden sind, ist der Aufwand an Training, Kosten und Zeitaufwand nochmals deutlich höher geworden und deshalb werden wir es nicht schaffen jedes Jahr die ganz große Strecke fahren zu können. Da aber auch die ‚kleine‘ Strecke jetzt 570 km lang ist und die Distanzen zwischen den Checkpoints teilweise 140 km betragen, hat der Finnmarkslopet 500 auch einen großen Reiz für uns. Zudem ist es das längste Schlittenhunderennen der Welt in der 8-Hunde-Klasse und da ist es schon eine große Ehre für uns daran teilnehmen zu können.

Wir werden jedes Jahr neu entscheiden, welches Rennen das Beste für uns und die Hunde ist und irgendwann wird das Burning Snow-Team mit Sicherheit an der Startlinie zum 1200 km Abenteuer stehen.

Die bekanntesten Langstreckenrennen:

Femundlopet, 600 km
Finnmarkslopet, 500 km
Amundsenrace, 400 km
Tobakslopet, 300 km

Das Schlittenhunderennen:
Wie läuft es ab?

Schlittenhunderennen finden in drei Disziplinen statt, Sprint (bis 30 km), Mitteldistanz (bis 60 km) und Langdistanz (bis 1800 km), die so unterschiedlich sind wie 100 m Lauf und Ultramarathon bei den Läufern.

Das Survival-Pack auf dem Schlitten

In jedem Schlitten wird die notwendige Ausrüstung für Mensch und Hund mitgeführt, um mindestens 24 Stunden in der Wildnis unbeschadet verbringen zu können. Dazu gehören Extremschlafsäcke, Kocher, Hundefutter und Stirnlampen.

Der Musher: Allein mit sich und den Hunden

Nach dem Start zu einem Langdistanzrennen ist jeder Schlittenhundeführer auf sich alleine gestellt und darf keine Hilfe bei der Versorgung seiner Hunde von außen annehmen. Die Hunde und der Musher müssen mit den arktischen Temperaturen und Schneestürmen zurechtkommen und sich in den einsamen Berg- und Hochplateauregionen orientieren können.

Kontakt

Burning Snow, mushing & more
Heike Kontermann & Michael Jeckel
Tjappsåive 129
93391 Arvidsjaur, Schweden
Tel. 0046730875601
info@burning-snow.com